Heute, am 13. April 2021, begann in Stammheim der Prozess gegen zwölf Mitglieder der rechtsterroristischen „Gruppe S.“ Die Gruppierung soll konkret geplant haben, durch Anschläge auf Politiker*innen, Asylsuchende und Moscheen „bürgerkriegsähnliche Zustände“ hervorzurufen. Ihr Ziel hinter diesen Anschlägen: die Staats- und Gesellschaftsordnung der Bundesrepublik „zu erschüttern und letztlich zu überwinden“. [1]

Freikorps Heimatschutz

Die Mitglieder der „Gruppe S.“ sollen aus verschiedenen Bruderschaften und bürgerwehrähnlichen Gruppen rekrutiert worden sein. Darunter „Wodans Erben
Germanien“, „Soldiers of Odin“ und die „Freikorps Heimatschutz Division 2016“ (auch „Freikorps Deutschland“ genannt).

Nach Angaben des WDR Magazins Monitor, stammen gleich drei der Angeklagten aus der Gruppe „Freikorps Heimatschutz“ [2]. Gerade zu dieser Gruppe sind auch Verbindungen in den Landkreis Ludwigsburg bekannt.

Logo der Freikorps Deutschland Sektion Baden-Württemberg

Der „Freikorps Heimatschutz“ organisiert(e) sich über eine private Facebook-Gruppe. Interessenten müssen eine Bewerbung schreiben und werden an eine Ansprechperson für ihre zuständige Region weitergeleitet.

Für Anfragen aus Baden-Württemberg ist (bzw. war zumindest zeitweise) Dirk W. zuständig.

Im Beschreibungstext der Bewerber-Gruppe hieß es „In dieser Gruppe sind ausschließlich Menschen, die nach den alten Werten leben und handeln. Respekt, Ehre, Treue, Loyalität. Die Mitglieder dieser Gruppe bereiten sich auf den Tag vor, an dem es zu einem Krieg kommt und es um die Verteidigung unserer Familien und dem Vaterland geht. Die BRD Verwaltung sieht sich dafür ja nicht mehr zuständig.“

Neben Dirk W. sind mindestens zwei weitere Personen, im Landkreis Ludwigsburg, in der „Freikorps Heimatschutz Landesgruppe Baden-Württemberg“ organisiert. Es ist jedoch sehr wahrscheinlich, dass es weitere Mitglieder im Raum Ludwigsburg gibt. So liefen 2019 bei einem Dorffest in Schwieberdingen eine handvoll Personen in schwarzen Kaputzenpullovern der Gruppe auf.

Wehrwolf Württemberg

Die Ansprechperson Dirk W., trat in der Vergangenheit mit einer weiteren Organisation in Erscheinung, der Gruppe „Wehrwolf Württemberg“. Das Logo der Gruppe hat er sich auf seinen Hals tätowieren lassen.

Über die Gruppe „Wehrwolf Württemberg“ ist nach wie vor nur wenig bekannt. 2015 ist sie das erste Mal in den Fokus antifaschistischer Recherche geraten. Damals organisierte die Gruppe eine Nazifeier mit etwa 50 Personen in der Nähe von Remseck. Ein weiteres Fest der Gruppe wurde bei Pleidelsheim veranstaltet. Des Weiteren ist die Teilnahme der Gruppe bzw. von Gruppenmitgliedern an diversen Rechtsrock-Konzerten bekannt. Das Auftreten der Gruppe in Kutten mit entsprechenden Aufnähern hat einen rockerähnlichen Charakter.

  1. Rechte suchten Kriegswaffen – Stuttgarter Zeitung, 07.04.2021
  2. https://www1.wdr.de/daserste/monitor/sendungen/rechtsterrorismus-100.html